Technik
Website-Relaunch ohne Ranking-Verlust: die Checkliste
Der teuerste Fehler beim Relaunch passiert in der Nacht der Umstellung, wenn niemand weiß, wohin die alten Adressen zeigen sollen.
Veröffentlicht am 15. August 2026
Ein Relaunch scheitert selten am Design. Er scheitert an der Frage, was mit den Adressen passiert, die es vorher gab. Sichtbarkeit, die über Jahre entstanden ist, kann in wenigen Wochen verschwinden, wenn dieser Teil nebenbei erledigt wird.
Die folgende Reihenfolge hat sich bewährt.
1. Bestand vollständig erfassen, bevor irgendetwas abgeschaltet wird
Sie brauchen eine Liste aller bestehenden Adressen. Vier Quellen zusammen ergeben ein vollständiges Bild:
- Die Suchkonsole. Zeigt, welche Adressen tatsächlich Einblendungen und Klicks bekommen. Das ist die wichtigste Quelle, weil sie den realen Wert einer Seite belegt.
- Die bestehende Sitemap. Meist vollständiger als das, was der Suchoperator anzeigt.
- Das Webarchiv. Findet Adressen, die aus der Sitemap längst herausgefallen sind, aber noch verlinkt werden.
- Die Zugriffsstatistik. Zeigt auch Aufrufe von Adressen, die niemand mehr auf dem Schirm hat.
Der Suchoperator allein reicht nicht. Er zeigt regelmäßig deutlich weniger, als tatsächlich im Index steht, und lässt gerade Übersichtsseiten aus.
2. Jede Seite in eine von drei Klassen einsortieren
Zugriffe und gute Platzierung. Diese Adresse bleibt exakt erhalten, gleicher Pfad, keine Umleitung. Seitentitel, Beschreibung und Überschriftengliederung werden übernommen. Der Fließtext darf neu geschrieben und erweitert werden, solange das Thema dasselbe bleibt. Navigation und interne Verlinkung werden um diese Seiten herum gebaut, nicht umgekehrt.
Indexiert, aber ohne Zugriffe. Neu anlegen, wenn das Thema ins Konzept passt. Sonst Umleitung auf die inhaltlich nächstliegende neue Seite.
Weder Zugriffe noch passendes Thema. Umleitung auf ein wirklich passendes Ziel oder eine klare Meldung, dass die Seite dauerhaft entfernt wurde. Keine Sammelumleitung.
3. Den Inhalt sichern, solange es ihn noch gibt
Sichern Sie von jeder erfassten Adresse das ausgelieferte HTML, bevor die alte Seite abgeschaltet wird. Danach sind Seitentitel, Beschreibung und Überschriftengliederung unwiederbringlich weg, und genau diese Elemente tragen die Platzierung.
Ein einfacher Abruf über die Adressliste genügt. Dieser Schritt kostet eine halbe Stunde und rettet regelmäßig Projekte.
4. Den Umleitungsplan dokumentieren
Jede Altadresse bekommt eine Zeile mit Entscheidung und Begründung. Diese Liste ist später der einzige Weg herauszufinden, warum eine bestimmte Adresse behandelt wurde, wie sie behandelt wurde.
Zwei Regeln haben sich als hart erwiesen:
- Keine Sammelumleitung. Wenn mehr als eine Handvoll Altadressen auf dasselbe Ziel zeigt, ist das ein Warnzeichen. In einem dokumentierten Fall fielen die Einblendungen einer Seite nach einem solchen Vorgehen von 5.383 auf 3.998.
- Dauerhaft, nicht temporär. Eine temporäre Umleitung überträgt keine Relevanz.
5. Vor dem Umschalten prüfen
- Trägt jede neue Seite eine eindeutige Angabe zur bevorzugten Adresse, und zwar auf die Variante, die der Server nach den Umleitungsregeln tatsächlich ausliefert?
- Ist nur eine Hostvariante erreichbar, mit oder ohne www, und leitet die andere dauerhaft dorthin?
- Steht keine ausgeschlossene Seite in der Sitemap?
- Sind alle internen Verlinkungen auf die neuen Adressen umgestellt, statt durch die Umleitung zu laufen?
Prüfen Sie das im gebauten Ergebnis, nicht im Redaktionssystem. Fehler dieser Art sehen in der Quelle regelmäßig richtig aus.
6. Nach dem Livegang messen statt hoffen
Rufen Sie jede erfasste Altadresse einzeln ab und protokollieren Sie, was zurückkommt. Erwartet wird: Status 200 bei den erhaltenen Seiten, dauerhafte Umleitung mit dem dokumentierten Ziel bei den umgeleiteten.
Zählen Sie dabei die Ziele aus. Laufen auffällig viele Umleitungen auf derselben Seite zusammen, ist genau das der Befund, unabhängig davon, was der Plan vorsah.
Reichen Sie anschließend die neue Sitemap aktiv über die Suchkonsole ein und entfernen Sie die alte. Der Hinweis in der robots.txt ersetzt das Einreichen nicht.
7. Die Fälle, die kein Fehlerbericht findet
Zwei Situationen tauchen in keinem Fehlerbericht auf, weil die Adresse weiterhin antwortet:
Verkaufte oder getauschte Beiträge. Wenn auf einer Seite ein Gastbeitrag mit einer Verlinkung steht, muss diese Seite mit unverändertem Inhalt bestehen bleiben. Wird der Artikel unter derselben Adresse durch einen neuen Text ersetzt, verschwindet der Zusammenhang, obwohl technisch alles funktioniert.
Aufräumarbeiten nach dem Livegang. Ein Commit, der vermeintlich verwaiste Seiten entfernt, trifft regelmäßig genau die Zielseite einer externen Verlinkung. Vor jedem Aufräumen gehört ein Abgleich mit der Liste der von außen verlinkten Adressen.
Wie wir einen Relaunch begleiten, steht unter Website-Relaunch.