Technik
Webhosting auswählen: worauf es wirklich ankommt
Der Preisunterschied zwischen gutem und schlechtem Hosting beträgt wenige Euro im Monat. Der Unterschied im Ernstfall ist erheblich.
Veröffentlicht am 15. August 2026
Hosting ist der Posten, an dem am liebsten gespart wird, weil man ihn nicht sieht. Bemerkbar macht er sich erst, wenn etwas schiefgeht: Die Seite ist langsam, ein Zertifikat läuft ab, oder es soll eine Sicherung zurückgespielt werden und niemand weiß, ob es eine gibt.
Der Unterschied zwischen einem brauchbaren und einem schlechten Angebot beträgt wenige Euro im Monat.
Die sieben Punkte, an denen sich Angebote unterscheiden
1. Serverstandort und Auftragsverarbeitung
Der Server sollte in der EU stehen, und der Anbieter muss einen Auftragsverarbeitungsvertrag anbieten. Das ist keine Formalie, sondern Voraussetzung dafür, dass der Betrieb der Website datenschutzrechtlich sauber ist.
Für die Ladezeit zählt die Entfernung zum Publikum. Bei deutschem Publikum ist ein europäischer Standort auch aus diesem Grund die naheliegende Wahl.
2. Sicherungen, die sich einspielen lassen
Fragen Sie nicht, ob gesichert wird, sondern:
- Wie oft wird gesichert?
- Wie lange werden Sicherungen aufbewahrt?
- Können Sie selbst zurückspielen, oder braucht es den Anbieter?
- Wurde das schon einmal getestet?
Der letzte Punkt ist der entscheidende. Eine Sicherung, die noch nie zurückgespielt wurde, ist eine Vermutung. Eine Aufbewahrung von 14 bis 30 Tagen ist sinnvoll, weil manche Probleme erst nach Wochen auffallen.
3. Antwortzeit des Servers
Bei sehr günstigen Angeboten teilen sich hunderte Websites eine Maschine. Das zeigt sich an schwankenden Antwortzeiten, besonders abends.
Prüfen lässt sich das mit einem einfachen Aufruf über die Kommandozeile, der die Zeit bis zum ersten Byte misst. Werte unter 200 Millisekunden sind gut, über 600 Millisekunden ist der Server ein Bremsklotz, an dem keine Bildoptimierung mehr etwas ändert.
4. Verschlüsselung inklusive und automatisch verlängert
Zertifikate sollten enthalten sein und sich automatisch erneuern. Anbieter, die dafür extra abrechnen, sind aus der Zeit gefallen. Wichtiger als die Kosten ist die automatische Verlängerung: Ein abgelaufenes Zertifikat führt zu einer Sicherheitswarnung im Browser und damit faktisch zum Ausfall.
5. Ihre Zugriffsmöglichkeiten
Sie brauchen einen eigenen Zugang zur Verwaltung, Dateizugriff und, wenn eine Datenbank im Spiel ist, Zugriff darauf. Ohne diese Zugänge ist jede Änderung ein Umweg über den Anbieter, und ein Umzug wird zum Verhandlungsthema.
6. Erreichbarkeit im Störungsfall
Prüfen Sie, wie der Anbieter im Ernstfall erreichbar ist und zu welchen Zeiten. Ein reines Ticketsystem mit Antwort am nächsten Werktag ist für einen Betrieb, dessen Anfragen über die Website kommen, unter Umständen zu wenig.
7. Wem die Domain gehört
Die Domain läuft auf Ihren Namen, Sie stehen als Inhaber in den Registrierungsdaten. Alles andere schafft eine Abhängigkeit, die niemand braucht. Prüfen lässt sich das über eine Abfrage der Registrierungsdaten.
Welche Art von Hosting zu welcher Seite passt
Statische Auslieferung. Die Seiten liegen als fertige Dateien vor, es wird nichts berechnet. Passend für Firmenauftritte, deren Inhalte sich selten ändern. Sehr schnell, praktisch keine Angriffsfläche, oft kostenlos oder sehr günstig. Nicht passend, wenn Funktionen wie Kundenkonten gebraucht werden.
Geteiltes Hosting. Der Klassiker für Websites mit Redaktionssystem. Ausreichend für die meisten Firmenauftritte, solange der Anbieter nicht überbucht.
Verwaltetes Hosting für ein bestimmtes System. Teurer, dafür kümmert sich der Anbieter um Aktualisierungen und Sicherungen. Sinnvoll bei Seiten mit Redaktionssystem ohne eigene technische Betreuung.
Eigener Server. Erst ab erheblichem Aufkommen oder bei besonderen Anforderungen sinnvoll. Bringt vollständige Verantwortung für Betriebssystem und Sicherheit mit sich.
Umzug von einem bestehenden Anbieter
Ein Umzug ist unkritisch, wenn er vorbereitet ist:
- Zugänge zu Domain, Hosting und Postfächern klären. Häufig liegen sie bei verschiedenen Anbietern.
- Kopie beim neuen Anbieter einrichten und testen, bevor irgendetwas umgestellt wird.
- Gültigkeitsdauer der Adresseinträge vorab herabsetzen, damit die Umstellung schnell greift.
- Umstellen, alten Vertrag noch einige Wochen laufen lassen.
- Prüfen, ob auch der E-Mail-Verkehr weiterläuft. Der wird am häufigsten vergessen.
Kritisch wird es nur dort, wo Zugangsdaten fehlen. Diese Klärung gehört an den Anfang, nicht an den Umschalttag.
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